Also machte ich mich Mitte/Ende Mai für gut einen Tag auf den Weg nach Osaka und gönnte mir sogar ein Erster Klasse Ticket für die sogenannte Tokaido-Shinkansen Linie. Diese gilt nicht nur als die am stärksten frequentierte Hochgeschwindigkeitsstrecke der Welt (mehr als 400.000 Reisenden pro Werktag nutzen sie), die hier verkehrenden Züge fahren mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von bis zu 220 km/h. Damit legt man die etwas mehr als 500 Kilometer zwischen Tokio und Osaka im Idealfall sogar in weniger als 2,5 Stunden zurück – eigentlich eine zu kurze Zeit, um die teilweise sehr schönen landschaftlichen Anblicke, die es an der Bahnstrecke gibt, genießen zu
Über Osaka
Die drittgrößte Stadt Japans liegt im (süd)westlichen Teil der pazifischen Inselnation und ist Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur Osaka und gehört zur Region Kinki. Osaka wird häufig als das traditionelle Handelszentrum Japans bezeichnet und stellt gleichzeitig eines der bedeutendsten Industriezentren dar. Darüber hinaus liegen in Osaka auch viele wichtige HäfenEine flüssige Verbindung: SAKE
Natürlich wusste ich von vornherein, dass es eigentlich zu schade ist, nur eine sehr kurze Zeit in Osaka zu verbringen. Allerdings gab es da eine Person, die mich nicht nur überzeugt hat, nach Osaka zu kommen sondern auch dafür gesorgt hat, dass diese kurze Zeit, einfach zu einem tollen Erlebnis geworden ist. Vielleicht war mir dieses auch schon von Anfang an bewusst, denn es gab eine gemeinsame Verbindung und diese hieß SAKE (im japanischen oft auch als Nihonshu bezeichnet). Als ich Maximilian Fritzsch vor einigen Monaten bei einem Sake-Tasting in der japanischen Botschaft in Berlin kennengelernt habe, wusste ich sofort, da gibt es zwei „Deutsche Sake-Botschafter“, die nicht nur eine Passion für dieses fantastische Getränk teilen, sondern auch eine besondere Beziehung zu Japan haben. Maximilian hat ein Auslandspraktikum im Land der aufgehenden Sonne absolviert, ich wurde durch meine zahlreichen Geschäftsreisen vom „Japanvirus“ infiziert. Max hat aus seiner Passion für Sake und seiner Zuneigung zu Japan, dann auch gleich eine Geschäftsidee entwickelt. Vor einigen Jahren gründete er das Sake-Online-Versandunternehmen Tokuri (www.tokuri.de) mit Sitz in Berlin. Über Tokuri kann der Sake-Connaisseur, der interessierte Gastronomiebetrieb oder auch der neugierige Sake-Neuentdecker eine Vielzahl von interessanten Nihonshus bestellen. Tokuri selber pflegt eine sehr persönliche Beziehung zu den repräsentierten Sake-Brauereien. In Osaka hätte ich dann auch super gerne mal wieder eine Sake-Brauerei besichtigt und Max wäre sicherlich prädestiniert dafür gewesen, mir hier Türen zu öffnen. Allerdings, und das sollte jeder Sake-Interessierte wissen, brauen Sake-Betriebe – zumindest die traditionellen – ihre Sake (aus klimatischen Gründen) nur von Oktober bis März. Darüber war es Wochenende, so dass es nicht viel gegeben hätte, was man hätte sehen können. Also habe ich diesen Wunsch auf meinen nächsten Trip nach Japan vertagt. Nichtsdestotrotz qualifizierte sich mein Begleiter als idealer Osaka-Guide: Max kennt Osaka fast schon so gut wie seine Westentasche, als ausgebildeter Sake-Sommelier weiß er natürlich auch um einige der Sake-Hotspots und – im Gegensatz zu mir – spricht er ein wenig Japanisch, was sehr nützlich sein kann. Und so starteten wir unseren Nachmittag in Osaka gleich mal mit einer kurzen Führung durch die Stadt und landeten anschließend in einem – ich würde mal sagen – sehr besonderen Sake-Shop.Von Sake Shops, Izakayas und andern Hotspots
Als wir den Yamanake Sake-Shop betraten wusste ich nicht sofort, was mich erwartete aber es musste gut werden, denn Max traf hier einen bekannten Toji (Sake-Braumeister) wieder, der hier einige seiner Produkte präsentierte und mit dem Max gleich ins Gespräch kam.
Anmerkung: Tojis haben nicht nur die oberste Stellung in jeder Sake-Brauerei inne, sie sind auch die wichtigsten Personen und üben eine Art Vaterrolle für die anderen Bediensteten aus. Für mich sind sie irgendwie auch die (heimlichen) Stars jeder Sake-Brauerei, da sie durch ihre langjährige Erfahrung und ihr dediziertes Wirken genau wissen, wie Sake-Reis zu behandeln ist, um daraus eine Spitzensake zu produzieren.
Nach einer kurzen Vorstellungrunde machten wir uns dann auf in die Schatzkammer(n) vom Sake-Shop und was mich dort erwartete, ließ mein Herz als echter Sake-Fan höher schlagen. Wie ein „Schlauch“ zogen sich Regale voll mit Premium-Sake aus den unterschiedlichsten Regionen Japans durch das zweite Geschoss des Ladens und interessanter Weise warteten am Ende des ersten Schlauchs eine Tür zum nächsten Schlauch und dann nochmal eine zum dritten Schlauch. Gleichzeitig nahm die Temperatur in den Räumen von Schlauch zu Schlauch ab.
Es wurde viel mit dem Toji gefachsimpelt und glücklich ausgestattet mit einigen „interessanten“ Flaschen Sake verließen wir dann irgendwann den tollen Sake-Shop im Herzen von Osaka.
Izakaya – Ein Sake-Laden zum Sitzen
Nach einer kurzen „Wanderung“ durch Osaka ging es dann weiter zu unserem ersten Besuch in einem Izakaya, allerdings hatten wir vorher noch einen Freund von Max, Ko Nishio getroffen. Ko-san stellte sich nicht nur als extrem ortskundig heraus sondern war auch ein echter Sake-Fan und -Experte. Ein Izakaya könnte umgangssprachlich als japanische Kneipe oder Pub beschrieben werden und ist zweifelsohne der populärste und bekannteste Gastronomiebetrieb in Japan. Gewöhnlichen Izakayas haben in Japan eine sehr lange Tradition.
Das erste von uns aufgesuchte Izakaya beindruckte mich vor allem durch sein schönes Interieur und eine Sake-Regelwand, die ihres gleichen sucht. Nach einigen kleineren Snacks – ich fand vor allem den japanischen Kartoffelsalat super lecker – und zwei Gläsern Sake zogen wir dann weiter zu unserem nächsten Hotspot.
Izakaya #2 & #3
Hier trafen wir dann auf einen weiteren Freund von Max, Shota Maeda. Shota-san ist nicht nur ein Sake-Fan sondern auch ein verrückter Kerl (im Positiven gesprochen). Shota hat für einige Monate in Kanada gelebt und dort eine „Ausbildung“ zum Cowboy gemacht – kein Witz! Hierüber hat er sogar ein Buch geschrieben, welches leider nur in japanischer Sprache erhältlich ist. Heute betreibt Shota einen sehr coolen Shop mit hochwertigen Lederwaren und Lederaccessoires. Es war klar, dass wir in diesem zweiten Izakaya länger verweilen würden, denn es gab nicht nur eine Menge tollen Gesprächsstoff sondern auch der Besitzer war eine echte Koryphäe auf dem Gebiet von Sake.
Er ließ uns nicht nur an seinem profunden Wissen teilhaben sondern servierte uns auch einige seiner eigenen Sake-Favoriten, wobei viele sehr unterschiedlich, sie aber allesamt ausgezeichnet waren. Darüber hinaus gab es auch viele nicht flüssige Köstlichkeiten zu probieren, von denen zwei allerdings als sehr speziell bezeichnet werden können. Ich bin zweifelsohne sehr experimentierfreudig, tat ich mich beim Wal-Sashimi und bei dem rohen, marinierten Hähnchenfleisch jedoch etwas schwer. Es muss aber angemerkt werden, dass ich nirgendwo anders außer in Japan dieses Food-Experiment ausprobiert hätte, denn die Frische der angebotenen Produkte ist schon einmalig. Aber auch wenn Wal und rohes Hähnchen mich nicht ganz so „ge-kickt“ haben, alle andern Speisen waren unglaublich lecker und das Sashimi war einfach nur genial. Irgendwie war spürbar, dass der Besitzer dieses Izakayas viel Wert auf gutes Essen legt und auch die Sake-Auswahl war einfach nur großartig.
Bei Izakayas sollte man nicht den Fehler machen, vom Interieur auf die Qualität zu schließen, denn es gibt einige japanische Kneipen, die eher spartanisch ausgestattet sind aber dennoch Essen und Trinken auf einem ganz hohen Niveau servieren – so auch hier.
Ramen am späten Abend
Nachdem sich Max nach dem Besuch des dritten Izakayas auch verabschiedet hatte, blieben nur noch Ko-san und ich übrig. Da ein weitere Barbesuch wahrscheinlich zu einem unschönen Ende geführt hätte, einigten wir uns kurzerhand darauf um 2:00 Uhr Nachts noch eine Kleinigkeit essen zu – als wenn wir nicht schon genug gehabt hätten. Und siehe da es gab ein 24/7 Ramenrestaurant (im japanischen Ramen-ya), dass uns mit offenen Armen empfing.
Nach diesem kulinarischen Nach-Mitternachts-Snack rief Ko mir dann noch ein Taxi und irgendwie war ich jetzt auch glücklich ins Bett zu kommen, um von Sake-Engeln zu träumen.











